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Die Fahrt von den kühlen Höhen Nuwara Eliyas hinunter in Richtung Kandy gestaltete sich als eine Reise durch eine von tiefhängenden Wolken verhüllte, mystische Gebirgswelt mit leider heftigem Regen. An diesem Tag wollte es gar nicht mehr aufhören und im strömenden Regen verwandelte sich die kurvenreiche Strecke in ein grünes Labyrinth, in dem das Wasser von den Berghängen stürzte und die Sicht auf die umliegenden Täler und weiten Teefelder leider weitgehend verdeckte.
Entlang der Straße boten zahlreiche kleine Obststände ihre üppige Pracht an Waren an, Hochlandgemüse in guter Qualität und bunt. Besonders beeindruckend zeigten sich die Wassermassen an den bekannten Wasserfällen der Region, wie den Ramboda Falls und den Devon Falls, die bei diesem Wetter eine starke Kraft entwickelten und tosend in die Tiefe stürzten, von Wolken umgeben, und die Wege dorthin glitschig und voller Matsch. Kein Wetter, um wie geplant eine kleine Wanderung zu machen.
Die noch sichtbaren Spuren von Verwüstung an einigen Stellen entlang dieser Straße in den Central Highlands sind Relikte eines der schwersten Naturereignisse in der jüngeren Geschichte Sri Lankas. Ende November 2025 wurde die Insel vom Zyklon Ditwah getroffen, der als der tödlichste Sturm seit dem Tsunami von 2004 gilt.
Er traf am 28. November 2025 auf die Ostküste und zog anschließend über das Landesinnere hinweg. Obwohl die Windgeschwindigkeiten nicht die höchsten Kategorien erreichten, brachte der Sturm extreme Regenmengen mit sich, die auf bereits gesättigte Böden trafen. In der Region um Kandy und Nuwara Eliya kam es zu verheerenden Folgen. Die hier extrem steilen Hänge hielten den Wassermassen nicht stand. Allein im Distrikt Kandy wurden hunderte Erdrutsche registriert, die ganze Straßenabschnitte mitrissen oder verschütteten. Der abschließende Bericht zählt 646 Tote und 173 Vermisste. 6000 Häuser wurden komplett, 108.000 teilweise zerstört, über 170.000 Personen mussten in Notunterkünften untergebracht werden.
Viele der Hauptverbindungswege zwischen Nuwara Eliya, Kandy und Badulla waren wochenlang unpassierbar und die Eisenbahnstrecken sind es teilweise noch Anfang 2026. Brücken wurden weggerissen und Bahngleise unterspült, was den Verkehr im Zentrum des Landes komplett zum Erliegen brachte. Landesweit waren über zwei Millionen Menschen betroffen. Die Distrikte Kandy und Nuwara Eliya gehörten zu den Gebieten mit den meisten Todesopfern und den schwersten Zerstörungen an Wohnhäusern und landwirtschaftlichen Flächen.
Unterwegs sahen wir vom Autofenster aus noch Spuren wie befestigte Erdhänge, provisorische Straßenausbesserungen oder kahle Stellen in der Vegetation. Der Wiederaufbau der komplexen Bergstraßen ist eine langfristige Aufgabe, da viele Hänge durch den Zyklon Ditwah ihre natürliche Stabilität verloren haben.
Im Januar und Februar 2026 kam es erneut zu anhaltenden, extremen Regenfällen. Im Januar 2026 lösten bereits normale Regenmengen weitere Erdrutsche aus, da die Schutzwälle und behelfsmäßigen Reparaturen vom Dezember den neuen Wassermassen nicht standhielten. Unser Regen-Fahrtag war nur der Anfang einer längeren Regenperiode. Der neuerliche Regen verzögerte die Aufräumarbeiten massiv und wir standen noch eine Woche lang immer wieder in heftigem Dauerregen, hatten da aber schon diesen Teil des Hochlands hinter uns gelassen.
Unser Fahrer brauchte während der anstrengenden Kurvenfahrt eine Pause und so hielten wir an einer der vielen Teeplantagen in der Region, die hier Führungen, Proben und Verkauf anbieten.











Der Zwischenstopp erfolgte beim Blue Field Tea Center, einer traditionsreichen Teefarm, deren Geschichte seit 1840 eng mit der britischen Kolonialzeit und der Einführung des Teeanbaus in Sri Lanka verbunden ist. Die Atmosphäre heute ist natürlich stark vom Tourismus geprägt.
In der gesamten Fabrik arbeitet eine Stammbelegschaft von etwa 300 Personen. Eine große Zahl an Führerinnen wartet schon auf neu ankommende Gäste. Viele der Angestellten, die Touristen durch die Fabrik führen, arbeiten oft nicht exklusiv als Guides. Häufig handelt es sich um reguläre Fabrikmitarbeiter oder Verwaltungsangestellte, die je nach Besucherandrang für die kurzen Rundgänge eingeteilt werden.
Sobald Besucher das Gelände betreten, egal ob 2 oder 20 Gäste, wird ihnen fast augenblicklich eine Führerin zugewiesen. Die Damen sind darauf trainiert, die Gruppen in etwa 15 bis 20 Minuten durch die Stationen zu führen, um Platz für die nächsten Gäste zu machen.
Man kann auch eine längere Fahrt durch die Teefelder zum eingenen Pflücken buchen, die bei dem miesen Wetter aber auf wenig Nachfrage stieß.
Die Abläufe erinnern stellenweise an eine gut geölte Maschinerie zur Massenabfertigung, bei der selbst große Gruppen in kurzem Takt durch die Produktionshallen geführt und anschließend natürlich in den großflächigen Verkaufsraum geleitet werden. Trotz der historischen Wurzeln wirkt das Erlebnis eher kommerziell als authentisch, was in krassem Gegensatz zur ursprünglichen Ruhe der umliegenden Teeplantagen steht.
Man sieht das Welken, Rollen, Fermentieren, Trocknen und Sieben im laufenden Betrieb. Viele der hier arbeitenden Frauen stammen aus den umliegenden Siedlungen der Plantage. Insgesamt leben auf dem 100 Hektar großen Areal etwa 175 Familien, für die das Unternehmen auch soziale Einrichtungen wie Schulen bereitstellt. Teepflückerinnen in Sri Lanka gehören zu den am schlechtesten bezahlten Arbeitskräften im Land. Bei bei durchgehender Arbeit verdienen sie umgerechnet ca. 120–150 € im Monat. Wenn sie die Quote nicht schaffen gibt es weniger Lohn, dazu ist Arbeit körperlich sehr anstrengend mit Hitze, Regen und steilen Hängen.
Die Touren werden hier kostenlos angeboten, um die Besucher nach der Führung möglichst schnell in den großen Verkaufsraum und das angeschlossene Restaurant zu leiten, wo der eigentliche Umsatz generiert wird. Unsere Führerin verabschiedete sich recht zügig im Teegarten, um die nächste Gruppe zu übernehmen.
Wir bekamen einen Platz auf der Terasse und ein Teemenü zur Auswahl, bestellten eine Tasse "Golden Tip" und "Orange Pekoe" zum Probieren, was hier nur 200 LKR die Tasse kostete. Dafür mussten wir uns den Tee selbst zubereiten. Man kann auch eine Teeprobe mit 8 verschiedenen Sorten bestellen.
"Golden Tip" ist eine wahre Rarität, was sich sowohl in der Herstellung als auch im Preis widerspiegelt. Für "Golden Tip" werden ausschließlich die ungeöffneten, silbrigen Blattknospen der Teepflanze verwendet. Diese müssen frühmorgens von Hand gepflückt werden. Die Knospen werden nicht maschinell verarbeitet oder fermentiert. Sie trocknen ganz natürlich an der Luft unter Samttüchern, wodurch sie ihre helle Farbe behalten. Die goldene Färbung entsteht oft durch ein kurzes Eintauchen in Tee-Extrakt oder durch die natürliche Oxidation der feinen Härchen an der Knospe. Eine kleine Packung mit 50 Gramm kostet 5.000 bis 8.000 LKR.
Nach dem Teegenuß kam niemand zum Kassieren, wir mussten uns dazu im Restaurant an der Kasse anstellten. Wären wir einfach verschwunden, hätte das wahrscheinlich bei dem Rummel hier auch niemand bemerkt.
Die Knospen dieser Teesorte können übrigens bis zu dreimal aufgegossen werden, wobei sich das Aroma mit jedem Mal leicht verändert. Wir haben sie eingepackt und hatten so am Abend im Hotel noch einmal die Möglichkeit eine Tasse zu trinken.
Unser Fahrer wartete draußen auf uns und wir liefen im strömenden Regen zum Auto. Auf der Weiterreise nach Kandy mussten wir ein beliebtes Ziel vieler Reisender streichen. Wegen der anhaltenden Niederschläge und der dichten Nebelfelder wurde ein Besuch des Ambuluwawa Towers spontan gestrichen.
Dieser Turm, der mit seiner spiralförmigen Treppe ein begehrtes Motiv für Selbstdarsteller in sozialen Medien ist, bietet bei klarem Wetter einen weiten Rundblick, verliert jedoch bei Regen komplett seine Fernsicht. Da die schmale Treppe bei Nässe zudem rutschig und riskant sein kann, blieb uns die markante Silhouette des Turms im Dunst verborgen, während die Fahrt durch die regennasse Landschaft schließlich ihr Ziel im tiefer gelegenen Kandy erreichte, wo die Sonne schien.
















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