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POLONNARUWA

Ein Besuch in der antiken Königsstadt Polonnaruwa, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, ist eine Reise zurück in das goldene Zeitalter Sri Lankas. Die weitläufigen Ruinen der einstigen Hauptstadt des Chola- und Singhalesenreiches erstrecken sich über ein riesiges Areal, das Zeugnis von der architektonischen und ingenieurstechnischen Brillanz des 11. bis 13. Jahrhunderts ablegt.

Die Anreise nach Polonnaruwa erfolgt meist von Kandy oder Sigiriya aus, wobei die Fahrt durch das Flachland der Nordzentralprovinz führt.

Wir verbrachten zwei Nächte ganz in der Nähe, in der Pearl White Residency. So konnten wir bequem mit dem Tuk-Tuk anreisen, doch leider regnete es an dem einzigen Tag, den wir für den Besuch zur Verfügung hatten, ununterbrochen. Von der Umgebung sahen wir bereits bei der Anfahrt kaum etwas, da die seitlichen Schutzhüllen des sonst offenen Gefährts wegen des Niederschlags heruntergelassen wurden.

Der zentrale Anlaufpunkt vor dem Betreten der archäologischen Zone ist das archäologische Museum. Hier befindet sich nicht nur die Kasse, sondern auch eine hervorragende Einführung in die Geschichte der Stadt. Da direkt an den Ruinen keine Verkaufsstellen existieren, sondern nur Kontrollpunkte, wo Teilabschnitte vom Ticket abgerissen werden, fahren alle Guides zuerst hierher, damit die Tickets gekauft werden, bevor man das eigentliche Ausgrabungsgelände betritt.

Der Eintrittspreis für internationale Besucher liegt im Jahr 2026 bei 30 USD, zahlbar in LKR zum aktuellen Tageskurs, wobei hier sogar die Zahlung per Kreditkarte in USD möglich ist. Obwohl dieser Preis im Vergleich zu anderen Sehenswürdigkeiten hoch erscheint, ist der Zugang zum Museum bereits inbegriffen.

Das Museum selbst ist modern gestaltet und beherbergt detailgetreue Modelle der Gebäude, wie sie einst ausgesehen haben müssen. Da es draußen wie aus Kübeln schüttete, nutzten wir die Zeit, um uns alles in Ruhe anzusehen. Umfang und Art der Präsentation hat uns sehr beeindruckt. Man sollte diesen Besuch unbedingt voranstellen, um die Bedeutung der prachtvollen Tempel und Paläste zu verstehen, bevor man die weitläufige Anlage erkundet.

Aufgrund der enormen Ausdehnung der Ruinenstadt von über 4 km entlang des Seeufers ist eine Fortbewegung zu Fuß kaum zu bewältigen. Üblicherweise gibt es drei gängige Optionen. Die klassische und individuellste Art ist das Fahrrad, das man für wenige hundert Rupien pro Tag mieten kann. Bei diesem Wetter sahen wir jedoch nur zwei Personen, die völlig durchnässt durch den zwar warmen, aber heftigen Regen radelten.

Das Tuk-Tuk erwies sich als sehr komfortable Variante, bei der die Fahrer oft gleichzeitig als inoffizielle Guides fungieren und einen direkt zwischen den einzelnen Stationen befördern. Zu unserem Erstaunen steuerten sogar größere Reisegruppen in ihren klimatisierten Bussen die einzelnen Sehenswürdigkeiten unmittelbar an.

Ein ganztägiger Aufenthalt im Dauerregen stellte uns in Polonnaruwa vor besondere Herausforderungen. Während die Wege bei schönem Wetter gut begehbar sind, verwandeln sie sich bei starkem Niederschlag schnell in Pfade voller Pfützen, zumeist jedoch eher sandig als schlammig. Das Tuk-Tuk war hier eine gute Wahl, da es durch seine Seitenplanen Schutz vor Wind und Wasser bot und uns jeweils trocken bis an die Eingänge der Tempel brachte.

Dennoch musste man für die Besichtigungen hinaus ins Nasse, wobei sich insbesondere das Fotografieren im strömenden Regen mit einem Schirm in der Hand als echte Herausforderung erwies.








Tempel und Stupas

Trotz des grauen Himmels entfaltet die Anlage im Regen eine ganz eigene, mystische Kraft. Die dunklen Steine der gewaltigen Stupas wie der Rankot Vihara oder die filigranen Statuen des Gal Vihara glänzen im nassen Zustand besonders intensiv. Der Regen hebt die Texturen der Jahrhunderte alten Steinmetzarbeiten hervor und vertreibt zudem die Hitze, die hier sonst oft drückend über der Ebene liegt.

Ein Besuch unter diesen Bedingungen erfordert zwar wetterfeste Kleidung und einen stabilen Schirm, belohnt jedoch mit einer ruhigen Atmosphäre, da die großen Besuchermassen bei schlechtem Wetter eher ausbleiben. So wird der Rundgang durch die königlichen Hallen und heiligen Bezirke zu einem stillen, fast meditativen Erlebnis inmitten der nassen Geschichte Sri Lankas. Wie an allen heiligen Stätten mussten wir auch hier immer wieder die Schuhe ausziehen, also darauf achten, das dies ohne viel Gefummel möglich ist.

Ein Rundgang durch die weitläufige archäologische Zone beginnt meist im Süden und führt durch das beeindruckende Palastviertel sowie das sakrale Zentrum der Stadt, bevor man die nördlicheren Heiligtümer erreicht.

Den ersten Höhepunkt bilden die Überreste des Königspalastes, der einst als siebenstöckiges Bauwerk mit über tausend Räumen beschrieben wurde. Heute zeugen die massiven, mehrere Meter dicken Ziegelmauern von der einstigen Größe. Direkt daneben befindet sich die königliche Audienzhalle, die auf einer erhöhten Plattform thront. Besonders sehenswert sind hier die kunstvoll gemeißelten Elefantenfriese an der Basis und die majestätischen Löwenstatuen am Treppenaufgang, die als Symbole königlicher Macht fungierten.

Nur wenige Schritte entfernt liegt das Kumara Pokuna, das königliche Bad, dessen geometrische Beckenstruktur und ausgeklügeltes Zu- und Abflusssystem die hohe Ingenieurskunst jener Zeit verdeutlichen.

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Das spirituelle Herzstück der Anlage ist das sogenannte "Heilige Viereck", eine Konzentration der bedeutendsten religiösen Bauwerke auf engstem Raum.

Das Vatadage ist ein kreisförmiges Reliquienhaus mit vier Buddha-Statuen, die in alle Himmelsrichtungen blicken. Die filigranen Mondsteine vor den Treppen zu den Eingängen gelten als die feinsten Beispiele buddhistischer Kunst in ganz Sri Lanka.

Das Hatadage ist die einstige Ruhestätte der heiligen Zahnreliquie, deren massive Steinmauern trotz der Witterung über die Jahrhunderte standhaft blieben. Das Thuparama-Bildhaus ist eines der wenigen Gebäude, dessen Dachkonstruktion aus massiven Ziegeln fast vollständig erhalten ist.

Folgt man dem Weg weiter nach Norden, ragen monumentale Bauwerke aus dem Dschungelgrün empor. Die Rankot Vihara, die größte Stupa der Stadt, beeindruckt durch ihre klassische Kuppelform und eine Höhe von rund 55 Metern. Sie orientiert sich gestalterisch an den großen Bauwerken von Anuradhapura und dient als weithin sichtbarer Orientierungspunkt. Die überdachten Altäre mit Statuen boten einigen Straßenhunden Schutz vor dem Regen.

Ebenfalls faszinierend ist der Lankatilaka-Tempel, ein gigantisches Bildhaus, dessen hohl stehende Mauern über 17 Meter hoch aufragen und einst eine kolossale, heute leider kopflose Buddha-Statue beherbergten.

Selbst im strömenden Regen wirken diese steinernen Zeugen der Vergangenheit nicht düster, sondern majestätisch. Das Wasser hebt die feinen Details des Granits hervor, während der Nebel, der zwischen den Ruinen aufsteigt, die Atmosphäre einer vergessenen, heiligen Stadt perfekt macht. Wer sich Zeit nimmt, diese ersten Sektoren zu erkunden, begreift Polonnaruwa als ein Gesamtkunstwerk aus Machtanspruch, tiefer Frömmigkeit und ästhetischer Perfektion.








Gal Viharaya

Der Besuch des Gal Viharaya markiert den künstlerischen Höhepunkt jeder Besichtigung von Polonnaruwa. Dieses Felsenheiligtum, das im 12. Jahrhundert unter König Parakramabahu dem Großen geschaffen wurde, gilt als das vollkommenste Beispiel srilankischer Steinmetzkunst. Am Eingang wird hier erneut die Eintrittskarte kontrolliert und ein entsprechender Abschnitt entwertet.

Nach einem kurzen Fußweg erreicht man eine massive Granitwand, in die vier monumentale Buddha-Statuen gehauen wurden. Trotz ihrer gewaltigen Dimensionen strahlen sie eine fast übernatürliche Leichtigkeit und Ruhe aus.

Jede der Statuen im Gal Viharaya stellt eine andere Phase oder einen anderen Aspekt des Erleuchteten dar, wobei die natürliche Maserung des dunklen Gesteins die Konturen der Figuren auf faszinierende Weise betont. Es sind die schönsten Buddha-Statuen, die wir bisher weltweit gesehen haben. Passend dazu suchte eine kleine Gruppe von Hutaffen unter dem Dach über den Statuen Schutz vor dem Regen. Einer der Affen setzte sich genau auf das Haupt einer Statue, wobei sein Schwanz für ein Foto perfekt herabhing.

Die erste Statue zeigt den Erleuchteten in tiefer Meditation auf einem kunstvoll verzierten Thron. Hinter seinem Haupt ist ein detaillierter Torbogen in den Fels gemeißelt, der von Löwen und religiösen Symbolen flankiert wird. Die Präzision, mit der die Gesichtszüge aus dem harten Granit gearbeitet wurden, verleiht der Figur einen Ausdruck vollkommener innerer Stille.

In einer kleinen, künstlich geschaffenen Grotte befindet sich ein weiterer sitzender Buddha. Diese Darstellung ist kleiner und wirkt durch den umschlossenen Raum besonders intim und sakral.

Mit einer Höhe von etwa sieben Metern bricht der stehende Buddha mit der traditionellen Ikonografie. Die verschränkten Arme vor der Brust und der sanfte, fast mitleidige Gesichtsausdruck haben unter Gelehrten lange Diskussionen ausgelöst. Während einige darin einen Moment der Trauer über den Tod eines Schülers sehen, interpretieren andere die Haltung als Symbol für das Mitgefühl gegenüber allem Leiden.

Die beeindruckendste Figur ist ohne Zweifel der sterbende Buddha im Parinirvana. Mit einer Länge von fast 14 Metern ruht er auf seiner rechten Seite. Besonders berührend ist das Detail des Kissens, das sich unter dem Gewicht des Kopfes scheinbar realistisch einsenkt, sowie die leicht versetzten Füße, die den Übergang vom Leben in den endgültigen Zustand der Erlösung symbolisieren.

An diesem Tag mit anhaltendem Regen und nur wenigen Besuchern entfaltete der Gal Viharaya eine unvergleichliche Mystik. Der graue Himmel und das sanfte Rauschen des Regens verstärkten die meditative Stille des Ortes, da wir den Statuen fast allein gegenüberstanden.

Die Schuhe müssen vor dem Betreten des sandigen Plateaus ausgezogen werden, und es ist strikt untersagt, den Statuen beim Fotografieren den Rücken zuzukehren. Diese Ehrerbietung unterstreicht, dass man hier nicht nur vor einem archäologischen Denkmal, sondern vor einem lebendigen spirituellen Erbe steht.

Unser Fahrer brach die Besichtigung an dieser Stelle ab und brachte uns zurück zur Unterkunft. Eigentlich hätten wir darauf bestanden, noch weiterzufahren, um uns den Lotus Pond (Ancient Nelum Pokuna) und das Thivanka Image House anzusehen.

Doch irgendwann schwand auch bei uns die Lust auf durchnässte Kleidung und das ständige Springen über Pfützen, sodass wir den Rest des Tages entspannt in unserem Zimmer verbrachten.








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